Digital Storyteller

Die nachfolgenden Inhalte sind ein Ausschnitt der Publikation "Schahname. Heroische Zeiten. 1000 Jahre persisches Buch der Könige: RFID-Medieninstallationen". Den kompletten Beitrag können Sie nachlesen in: J. Reinhardt, E. Kühn, S. Bergemann, J. Sieck: "Schahname. Heroische Zeiten. 1000 Jahre Persisches Buch der Könige: RFID-Medieninstallationen", in: Sieck, J. (Hrsg.): Kultur und Informatik: Multimediale Systeme, S. 115-128, vwh Verlag, Boizenburg, 2011, ISBN 978-3-940317-95-7

RFID Medieninstallation zur Sonderausstellung »Schahname. Heroische Zeiten. 1000 Jahre persisches Buch der Könige«

Konzept

Die Konzeption der Tonspur für die Ausstellung "Schahname. Heroische Zeiten. 1000 Jahre persisches Buch der Könige" im Museum für Islamische Kunst, Pergamonmuseum sah zwei unterschiedliche Nutzungsszenarien vor: Neben dem aktiven Sammeln von Geschichten durch die Nutzung eines eigens für die Installation angefertigten Lesezeichens, mit dessen Hilfe der Besucher an den Installationen Geschichten über das Schahname sammeln kann, wurde auch eine zweite Option der Nutzung mittels eines mobilen Gerätes zum direkten Hören der Geschichten in der Ausstellung forciert. Diese Unterscheidung ermöglicht eine multimodale Nutzung sowie zielgruppenspezifische Anpassungen im Rahmen der Anwendungsfälle. Trotz der sehr unterschiedlichen Technologien, die bei der Umsetzung der Szenarien Verwendung fanden, bieten beide Nutzungsszenarien dem Besucher die Möglichkeit, die gesammelten Geschichten im Anschluss des Besuches zuhause im Internet abzurufen und anzuhören.

Sammeln mit Lesezeichen

Abbildung Lesezeichen

Am Eingang des Ausstellungsbereiches des Museums für Islamische Kunst hatte der Besucher die Möglichkeit, sich über die raumübergreifende Installation der digitalen Geschichtenerzähler zu informieren und sich eines der mit RFID-Tags ausgestatteten Lesezeichen zu nehmen. Jedes Lesezeichen wird mit Hilfe dieses Tags innerhalb des Systems durch eine eindeutige Nummer identifiziert. Ausgestattet mit diesem RFID-Lesezeichen kann der Besucher die Ausstellung erkunden.

Abbildung Stele Jeder Raum der Ausstellung beherbergt eine Stele, die die Schnittstelle zu den Geschichten des 1000-jährigen Buches darstellt. Interessiert sich der Besucher für das Thema des entsprechenden Raumes, benutzt er das Lesezeichen um diese Geschichte zu sammeln. Einen ersten Eindruck von der Geschichte kann er bereits bekommen, indem er an der Stele lauscht. Diese flüstern in einer Endlosschleife die Geschichten, die man dort sammeln kann. Dieser akustische Effekt wird genutzt um die Neugier der Nutzer zu wecken, einen ersten Eindruck der Geschichten zu vermitteln und auch das Augenmerk auf die Installation zu richten. Neben dem akustischen Feedback machen die Stelen auch durch verhaltene Lichteffekte auf sich aufmerksam. Weißes pulsierendes Licht markiert die Stelle, an der das Lesezeichen des Nutzers aufgelegt werden soll. Unterstützt wird dies zusätzlich durch eine entsprechende optische Markierung. Diese Markierung ist ebenfalls auf dem Lesezeichen des Besuchers wiederzufinden und kennzeichnet den aktiven Bereich. Ziel der Installation ist es, den Besucher neugierig zu machen und ihn zu verleiten, das Webangebot der Ausstellung zur Nachbereitung des Besuches zu nutzen.

Sofort nach dem Besuch der Ausstellung konnte der Besucher mit Hilfe des Lesezeichens auf seine persönliche Geschichtensammlung im Internet zugreifen. Dazu musste lediglich die auf dem Lesezeichen aufgedruckte ID im Portal angegeben werden. Bei dieser ID handelt es sich um einen 6-stelligen Code, der jedes Lesezeichen eindeutig identifiziert. Technisch wird bei der Nutzung von RFID auf den global eindeutigen Unique Identifier eines jeden RFID-Tags zugegriffen. Bei diesem handelt es sich allerdings um einen 16-Byte-Code. Um diesen ermitteln zu können, benötigt man einen entsprechenden RFID-Reader. Da der Besitz eines solchen Readers heute nicht vorausgesetzt werden kann und zudem die Eingabe dieses Identifiers mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlerbehaftet ist, wurde bei der Konzeption und Umsetzung des Projektes eine ID aus einem selbstdefinierten Zeichenbereich genutzt. Bei der Herstellung der Lesezeichen wurden deshalb die RFID-Tags entsprechend programmiert und die neue ID zusätzlich aufgedruckt, um dem Besucher die Möglichkeit zu geben, bequem auf diese zugreifen zu können.

Rostam Mobile

Das zweite Prinzip der interaktiven Installation basiert auf der Ausleihe von mobilen multimedialen Guides, die beim Betreten entsprechender Bereiche in der Ausstellung die Geschichten automatisch zur Verfügung stellen und somit das Hören derselbigen bereits während des Besuches ermöglichen. Für die Realisierung dieses Anwendungsfalls wird die bereits konzipierte Infrastruktur zum Sammeln von virtuellen Inhalten mit Hilfe des Lesezeichens genutzt und erweitert. Diese Erweiterung dient der Erkennung der Besucher, die sich in der Nähe einer einzelnen Stele befinden. Ein explizites Auflegen eines Tags ist somit nicht mehr notwendig und die Geschichten können sofort am Ort des Interesses angehört werden. Um auch bei dieser Variante die Nutzung des Webangebotes zu ermöglichen, wird bei Rückgabe des mobilen Guides ein Lesezeichen mit einer entsprechenden ID für den Benutzer ausgedruckt. Der Zugriff auf die in der Ausstellung gesammelten Geschichten kann somit auch zur Nachbereitung des Besuches genutzt werden.

Beide hier vorgestellten Szenarien wurden parallel in der Sonderausstellung angeboten, um die Besucherakzeptanz, das Verhalten der Besucher in der Ausstellung und die Unterschiede in der Nachbereitung des Besuches bewerten und vergleichen zu können.